Kaufintelligenz & Fehlentscheidungen
Hub-Übersicht: Marktmechanismen, Psychologie und Entscheidungstheorie.
Thermodynamik vs. Marketing: Warum die Jahreszeitregeln physikalisch nicht stimmig sind.
Die Einteilung von Düften in Sommer- und Winterparfüms ist vor allem ein marketing-getriebenes Konzept. Die Industrie hat das Ziel, den Konsum (Umsatz) gleichmäßig über das Jahr zu verteilen. Daher wird empfohlen, für jeden Anlass und jede Temperatur eine andere Flakonfamilie zu nutzen.
Physikalisch gesehen ist diese Unterteilung sinnvoll, aber nicht absolut. Die entscheidenden Faktoren sind Verdunstungskinetik, Sillage-Ausbreitung und die subjektive Wahrnehmung von „Belästigung“ (Overdose).
Ein häufiges Missverständnis ist, dass die Hauttemperatur jahreszeitabhängig so stark schwankt, dass sie die Duftentwicklung radikal ändert. Die menschliche Hauttemperatur ist ein Konstanthalter (Homoiothermie).
Die „Jahreszeit“ eines Duftes definiert sich also primär durch die Umgebungstemperatur (Luft) und die Kleidungsbarriere, nicht durch die Körperchemie des Trägers.
Im Sommer steigt das Risiko des „Cloying“ (Erstickendes, schwül-lastiges Gefühl). Dies ist eine physikalische Reaktion auf hohe Konzentrationen von schwerflüchtigen Molekülen in warmer Luft.
Frühe Düfte (Zitrus, Calone) verdunsten schnell und hinterlassen kaum Rückstände, was das Risiko von Cloying minimiert.
Im Winter ist die Hauptaufgabe, die Kälte zu kompensieren, aber es gibt technische Nachteile bei der Wahrnehmung.
Im Winter werden daher oft reichhaltigere Parfüms (Extrait, Parfum) bevorzugt, die auch durch die Kleiderschicht hindurch noch wahrgenommen werden (Dichtheit).
Es gibt keine Verbote. Oft wirken Gegenstrategien besonders effizient („Kontrast-Programmierung“).
Die Entscheidung sollte nicht nach dem Kalender, sondern nach Anlass und Komfort getroffen werden.
Hub-Übersicht: Marktmechanismen, Psychologie und Entscheidungstheorie.
Soziale Validierung vs. Qualität: Warum Komplimente täuschen.
Substitutionsgüter: Chemie, Legalität und Wertigkeit.
Hautchemie & Mikrobiom: Biologische Gründe für Missklänge.
Marktanalyse: Segmentierung, Marketing und strukturelle Unterschiede.
Statistik und Entscheidungstheorie: Die Ökonomie des Probierens.
Kostenstruktur-Transparenz: Was das Parfüm wirklich wert ist.
Problem: Ein Aquatischer Duft wirkt im Winter „zu leicht“ und geht im Mantel unter. Lösung: Ein „Wooly Amber“ (Wolliger Amber) wählen. Ein Duft, der nicht zu süß ist, aber hohe Substantivität hat, um durch die Kleidung zu dringen.
Die Einteilung in Sommer- und Winterdüfte ist eine nützliche Faustregel, aber kein Gesetz. Die Physik der Verdunstung (hitzebedingnte Beschleunigung) und die Logik der Kleidung (Sillage-Sperre) erklären, warum wir im Sommer leichte und im Winter schwere Düfte bevorzugen. Dennoch sollte der persönliche Geschmack über der Konvention stehen. Wer im Winter mit einem sauberen Aquatikduft glänzen will, dem ist das freigestanden.
Ja, aber mit Vorsicht. Bei hoher Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit können schwere Düfte (z.B. viel Ambra, Patchouli) sehr erdrückend wirken (Cloying). Eine geringere Dosierung oder der Wechsel auf eine leichtere Variante ist oft ratsam.
Dies liegt meist an der Kleidung. Im Sommer trägt man weniger, der Duft verdunstet frei in die Luft. Im Winter eingepackt in Jacke und Schal, diffundiert der Duft schlecht nach außen. Die Nase gewöhnt sich zudem an das „Mikroklima“ im Mantel (Adaption).
Man kann sie tragen. Zitrusdüfte sind oft kurzlebig („Haltbarkeitsproblem“). Im Winter kann die trockene Luft die Kopfnote extrem schnell auflösen lassen, sodass der Duft sofort verpufft. Ein Schal oder Pullover kann verhindern, dass die Kopfnote in die Öffentlichkeit gelangt, ehe sie schon weg ist.