Duftfamilien & Klassifikation
Hub-Übersicht: Alle Familien, Systematik und Geschichte.
Zucker, Schokolade & Vanille: Die Verführung des Appetits.
Gourmand-Düfte (franz. „Feinschmecker“) sind eine Duftfamilie, die essbare Aromen als Inspirationsquelle nutzt. Das Ziel ist die Nachahmung von süßen Speisen, Backwaren und Getränken (Schokolade, Karamell, Kaffee, Vanille). Diese Familie entstand in den 1990er Jahren und hat sich als einer der wichtigsten Trends der Nischen- und Luxusparfümerie etabliert. Sie wirken meist tröstend („Comfort Scents“) und extrem hautnah.
Technisch gesehen sind Gourmands oft eine Unterfamilie der Orientalischen Düfte (z.B. „Floral Oriental“ vs. „Gourmand Oriental“), haben sich aber als eigenständige Kategorie durchgesetzt.
Süße Noten gab es schon immer (z.B. in Chypre-Düften durch Tonkabohne), aber der Fokus lag bis in die 90er auf Blumen oder Hölzer. Die Revolution begann mit einem einzigen Duft.
Seitdem boomt die Familie. Besonders im „Niche“-Bereich (Mugler, Killian, Juliette Has A Gun) sind Gourmands Standard, aber auch Massenmarken nutzen Vanille-Kugels, um Jugendliche anzusprechen.
Gourmand-Düfte nutzen chemische Verbindungen, die in der Lebensmittelindustrie (Geschmacksstoffindustrie) verwendet werden. Die Kunst liegt darin, diese Essenzen in eine komplexe Parfümstruktur einzubinden.
Ein guter Gourmand-Duft riecht nicht wie ein Konditorladen (billig), sondern wie eine feine Patisserie (nuanciert, cremig).
Die Familie ist sehr vielfältig. Man unterscheidet oft nach der Art der „Speise“.
Die Abgrenzung ist fließend, da beide Vanille nutzen. Der Unterschied liegt im Schwerpunkt.
Ein Gourmand ohne Vanille ist selten (z.B. reine Fruchtnoten), aber klassischerweise ist sie die Basis.
Der Trend hat sich von den „Loud Scents“ der 90er (z.B. Angel) hin zu subtileren, hautnahen „Skin Scents“ gewandelt.
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Aromatische Hölzer: Lavendel, Moos und Cumarin.
Cuir & Tabak: Rauchig, trocken und tierisch.
Hesperiden & Aquatik: Zitrus, Calone und Meerluft.
Amber & Gewürze: Wuchtige Exotik und Wärme.
Cedar, Sandelholz & Vetiver: Wärme und Trockenheit.
Ozonische Noten: Meerluft und Transparenz.
Problem: Gourmand wirkt zu „weich/feminin“. Lösung: Zugabe von Tabak, Leder oder Zeder. Ergebnis: „Gourmand-Mann“ (z.B. Tobacco Vanille).
Gourmand-Düfte sind die Synthese aus Genuss und Chemie. Sie spielen mit dem instinktiven Hunger des Menschen. Durch die Verfeinerung und Vermischung mit anderen Familien (Leder, Holz) haben sie sich vom reichen „Dessert-Duft“ zu tragbaren, sofistierten Signaturen entwickelt. Sie bleiben eine der beliebtesten Familien für den Abend und die kalte Jahreszeit.
Beide nutzen Vanille. Orientalisch ist jedoch wärmer, gewürziger (Zimt, Nelken) und basiert auf Harzen/Moschus (Amber). Gourmand ist „eßbar“, also Vanille, Schokolade, Karamell. Ein Gourmand ist also eine Unterart des Orientalischen, hat sich aber verselbstständigt.
Im Allgemeinen sind sie schwer und süß, was im Sommer oft als erdrückend empfunden wird. Es gibt aber leichte Gourmands (mit mehr Zitrus oder Frucht), die auch bei Hitze funktionieren.
Ein revolutionärer Duft von Thierry Mugler (1992). Er definierte die Gourmand-Familie und war extrem erfolgreich. Er enthält unter anderem Patchouli, Honig, Vanille und Schokolade.