Plagiate unterscheiden: Typologie, Füllstand-Methoden und chemische Warnsignale.
Grundlagen & Arten
Fälschungen (Counterfeits) sind illegale Kopien von Markenparfüms. Der Schwarzmarkt ist riesig und beliefert oft Straßenverkäufer („Gedankenbretter“) oder dubiose Online-Shops.
Typen von Fälschungen
Billigfälschungen: Verwenden billigen Alkohol und chemische Synthetika. Riechen oft nach Seife oder Brennspiritus. Gefahr für Haut.
High-End-Fälschungen: Nutzen „gute“ Chemie (oft 90% des Originals), werden in sehr guten Nachmachflaschen abgefüllt. Optisch schwer zu erkennen.
Refills: Originales (oder fast originales) Konzentrat wird in eine originale Flasche nachgefüllt (meist 10-20ml gefüllt, statt 50ml).
„Parallel-Imports“ als Fälschung: Originales Produkt, aber in anderen Verpackungen (z.B. ohne Cellophan), oft fälschlich als „Fälschung“ dargestellt.
Verpackungscheck (Visuell)
Die erste Hürde ist der Karton (Outer Box). Hersteller achten sehr auf Druckqualität. Fälscher sparen hier.
Kriterien
Cellophan (Folie): Dient nicht zum Schutz, sondern als Frische-Siegel (Tamper-Evident). Originales Cellophan ist fest verklebt („Knacken“ beim Aufreißen) und wickelt oft doppelt um die Kante. Billigfolie lässt sich leicht abziehen.
Druckqualität: Originale sind gestochen scharf. Fälschungen sind oft unscharf (Blutung des Druckes) oder verwaschen.
Papierstärke: Originale sind schweres, hochwertiges Papier. Fälschungen sind oft dünner oder „knisternd“.
Schriftart: Bei Fälschungen weichen Schriftarten oft minimal ab oder werden falsch fett gedruckt.
Flakon & Glas
Die Flasche ist teurer als der Inhalt. Fälscher sparen hier oft am Glas oder an der Mechanik.
Anzeichen
Glasqualität: Originalglas ist klar und makellos. Fälschglas hat oft Blasen, Streifen oder ist grünlich verfärbt (Mangel in der Herstellung).
Naht: Gefärbte Flaschen haben oft eine Naht (nahtlose sind teurer). Die Naht sollte sauber und glatt sein, nicht rau.
Atomizer (Sprühkopf): Originale haben einen hochwertigen Sprühmechanismus (feiner Nebel, sanfter Zug). Fälscher nutzen oft Standard-Wasserpumpen (Nebel aus groben Tropfen, Nachsprühen im Stakkato).
Etikett: Selbstklebe-Etiketts bei Fälschungen sind oft leicht abziehbar oder krumm aufgeklebt. Geätzte/bedruckte Gläser (z.B. Chanel, Dior) sind schwerer zu fälschen, aber die Qualität des Motivs (Auflösung) ist der Indikator.
Inhalt & Chemie (Riechtest)
Das entscheidende Kriterium ist der Geruch, aber man muss wissen, worauf man achten muss.
Die „Schnüffel-Probe“
Alkohol-Konstante: Der Alkohol (Ethanol 96%) ist immer sichtbar („Schwingen“ beim Verdunsten). Ist der Duft sofort ölig ohne Alkohol, ist er extrem alt oder ein reines Öl (falsch).
Geruchscharakter:
Fälschung: Oft „seifig“, „chemisch“ (rein synthetisch), „scharf“ (Brennstoff-Charakter). Keine Tiefe, kein Haltevermögen.
Original: Komplex, harmonisch, sauber.
Verdunstung: Fälschungen riechen oft intensiv in der ersten Minute (viel billiges Bergamottöl, um Alkohol zu überdecken), kippen aber nach 10 Minuten zu „nichts“ oder „chemisch“.
Refill-Fälschungen (F5)
Die gefährlichste Art der Fälschung für den Käufer, da sie in originalen Flaschen verkauft wird.
Warnsignale
Der „Gedankenbrett“-Faktor: Originales Produkt, aber nur zum halben Preis. Das ist unwirtschaftlich für den Verkäufer (selbst als Dieb). Ist es „zu günstig“, ist es gestohlen oder neu gefüllt.
Füllstand: Auf der Website von „Checkfresh“ kann man prüfen, wie viel ml die Marke abfüllt (z.B. Chanel: 50ml Flasche = 45-47ml Inhalt). Ist die Flasche voll (100% Füllstand), ist sie nachgefüllt (F5).
Geheimnis: Wer 100ml Inhalt für 30€ verkauft, hat kein Original. Die Herstellkosten allein sind höher.
Online-Kauf & Graumarkt
Der Großteil der Fälschungen wird online (eBay, Amazon Marketplace, FB-Gruppen, Instagram) verkauft.
Risikofaktoren
Plattform: Plattformen wie eBay oder Marketplace erlauben die Fälschung, solange die Marke nicht löscht (Wackel-Mole). Nur bei „Fulfilled by Amazon“ (nicht Marketplace) ist das Risiko gering.
Seller-Profil: Neuer Account, keine Bewertungen, viele gleiche Artikel -> Verdacht.
Fotos: Fälscher nutzen gestohlene Originalfotos (Stock-Fotos). Sie schicken nicht das Foto des *konkreten* Artikels. Der Verkäufer sagt oft: „Foto ist unverbindlich“.
Preis: Ist es zu günstig (gut 1/3 des Marktpreises)?
Quelle: Werde es auf einem Gedankenbrett oder von einem dubiosen Autoverkäufer verkauft?
Verpackung: Cellophan fest geklebt? Druck scharf?
Füllstand: Ist eine „Full Bottle“ gefüllt (nachgfüllt)?
Riechtest: Riecht es nach Seife/Spiritus statt Duft?
Mini-Case: „Gedankenbrett“-Duft
Problem: 100ml Aventus für 50€ auf einem Straßenstand. Lösung: Finger weg. Selbst wenn es Original (Gestohlen) ist, finanzierst du organisierte Kriminalität. Zudem ist die Haltbarkeit im Freien oft kaputt (Licht/Wärme). Ergebnis: Vermeidung des Risikos.
Troubleshooting
„Cellophan fehlt komplett“ → Sehr verdächtig. Originals haben Cellophan (bis auf wenige Ausnahmen ohne).
„Sprühmechanismus tropft“ → Billigpumpe, keine Originalmechanik.
Fazit & Ausblick
Fälschungen sind ein massives Geschäft im Schatten der Parfümbranche. Sie nutzen die Nachfrage nach teuren Marken, ohne die Produktionskosten zu tragen. Der beste Schutz ist Wissen: Eine Fälschung entlarvt man meist an der Qualität der Verpackung (Cellophan, Druck) und des Geruchs (Alkohol-Brenner). Wer zu günstig kauft, kauft meist nicht Qualität, sondern Risiko für die Haut und die Justiz.
FAQ
Wie erkenne ich einen gefüllten Flakon?
Durch den Füllstand. Marken füllen Flaschen nie zu 100% (Dehnung). Eine Website wie „Checkfresh“ listet die Standardfüllmenge (z.B. 45ml in einer 50ml Flasche). Ist die Flasche randvoll, wurde sie nachgefüllt („Refill“).
Sind alle billigen Düfte Fälschungen?
Nein. Es gibt „Dupe“-Marken (Clones), die offen ehrlich als Nachbildung verkaufen. Fälschung ist, wenn der Verkäufer behauptet, es sei das Original, aber es ein Plagiat ist.
Kann man Fälschungen online kaufen?
Vorsicht ist geboten. Marketplace (eBay, Amazon Third Party) sind voll davon. Nur der Kauf beim Hersteller oder autorisierten Händler ist „fälschungsfrei“.