Konzentration, Qualität und Marktrealität: Das Preisdifferenzierungs-Modell.
Grundlagen & Definition
Die Unterscheidung zwischen EDT (Eau de Toilette) und EDP (Eau de Parfum) ist die gebräuchlichste Methode zur Preisdifferenzierung eines Parfüms in der Massen- und Luxusklasse. Konsumenten glauben oft, EDP sei „besser“ oder „reiner“. Realität ist, dass es sich meist um das *gleiche* Parfüm mit mehr oder weniger Alkohol handelt.
Die Hierarchie
EdC (Eau de Cologne): 2–4% Duftöl. Sehr leicht, flüchtig („After Shave“ Charakter).
EdT (Eau de Toilette): 5–15% Duftöl. Standard für den Alltag (Office, Sommer).
EdP (Eau de Parfum): 15–20% Duftöl. Oft als „Prestige“-Variante vermarktet.
Parfum / Extrait: 20–40% Duftöl. Höchste Konzentration, oft eigener Duftcharakter.
Die Unterschiede sind oft marginal. Die Grenzen sind nicht gesetzlich fixiert, sondern konventionell.
Die Konzentrationen
Der Unterschied liegt chemisch gesehen im Verhältnis von Duftöl (Aromakomplex) zu Trägeralkohol (Ethanol 96%).
Die Stufen
EdT (5–10%): Mehr Alkohol = flüssiger, leichter, spritziger. Verdunstet schneller. Oft als „Tagesscent“ positioniert.
EdP (15–20%): Mehr Öl = dicker, öliger, langsamer im Sprühnebel. Verdunstet langsamer. Wirkt oft „satter“.
Haltbarkeit: Ein EDP hält oft 20–40% länger als ein EdT des gleichen Namens.
Wichtig: Ein EdP eines billigen Duftes (viel synthetisches Moschus) kann qualitativ schlechter sein als ein EdT eines teuren Duftes (viel Naturstoffe).
Marketing vs. Realität
Die Industrie nutzt die Abstufung (EdT/EdP) nicht primär aus Qualitätsgründen, sondern zur Preisdifferenzierung („Pricing Tiering“).
Die Strategie
Einstiegspreise: Der EdT ist oft als „Lockvogel“ konzipiert. Günstiger, für Massemarkt konzipiert, um Kunden in die Marke zu holen.
Preiserhöhung (Upselling): Der EdP wird teurer verkauft (oft 30–50% mehr). Das Ziel ist die Maximierung des Umsatzes pro Flakon, nicht zwangsläufig die Maximierung der Qualität.
Struktur: In vielen Fällen (z.B. bei Designer-Parfüms) ist der EdT *nicht* einfach eine verdünnte Formel des EDP. Die Rezeptur ist oft leicht abgewandelt (mehr Kopfnoten im EdT für Frische, mehr Basisnoten im EdP für Tiefe), aber der Kern ist identisch.
Das Myhtos „EdP ist besser“ ist ein Marketing-Konstrukt. Oft ist der EdP nur „intensiver“.
Parfum (Extrait) – die Ausnahme
Anders als bei EdT vs. EdP ist ein Parfum (Extrait) oft ein olfaktorisch anderes Produkt.
Der Unterschied
Komposition: Extraits sind oft viel komplexer. Sie nutzen mehr Basisnoten (Hölzer, Harze) und verzichten oft auf spritzige Kopfnoten (Zitrus), da diese ohnehin schnell verblassen.
Wirkung: Ein Extrait ist „flüssiger“ und „öliger“ als ein EdT. Es sitzt extrem nah an der Haut („Skin Scent“) und projiziert kaum nach außen.
Konsumenten: Extraits sind teuer (meist 100ml Flaschen) und werden von Kennern geschätzt, die Diskretion über Komplimente stellen.
Zwischen EdT und EdP gibt es meist nur quantitative Unterschiede. Zwischen EdP und Parfum gibt es oft qualitative Unterschiede.
Beispiel: Sauvage / Bleu
Die großen Blockbuster (Sauvage, Bleu, Acqua di Giò) existieren oft in allen Varianten, um jeden Geldbeutel zu bedienen.
Sauvage (Dior)
EdT: Der Standard. Frisch, bergamotlastig, für den Alltag.
EdP: Satter, wärmer (mehr Ambroxan), für Abend.
Parfum (Elixir): Eine neue, dunklere Variation mit Gewürzen (Zimt, Licorice) und sehr hoher Konzentration (30%+). Wirkt „orientalischer“ und schwerer als der Standard-EdP.
Hier zeigt sich: Elixir ist eine *Neuschöpfung*, EdP und EdT sind nur Variationen der Stammformel.
Kaufentscheidung
Welche Stufe sollte man wählen?
Leitfaden
Büro / Sommer: Oft reicht ein EdT (zu viel Intensität in geschlossenen Räumen kann stören).
Abend / Winter: Ein EdP bietet mehr „Body“ und Wärme, die im Sommer erdrückend wirken können.
Budget: Wenn der Preisunterschied gering ist, greife man zum EdP (bessere Haltbarkeit). Ist der EdP massiv teuerer, ist der EdT oft das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.
Skin Scent vs. Loud: EdT ist oft lauter (mehr Kopfnote). Extrait ist oft leiser (nah an der Haut).
Ist der Duft für das Büro oder für den Abend gedacht?
Ist der Preisunterschied gerechtfertigt? (Vergleiche die ml-Preise, nicht die Flakon-Größen).
Hält der EdT schon 6h? Dann brauchst du meist keinen EdP.
Beachte: Ein „Parfum“ (Extrait) riecht oft völlig anders als der EdT. Ein EdP riecht fast immer ähnlich (nur stärker).
Mini-Case: Sauvage Elixir
Problem: Der Kunde hat EdT und EdP, sucht aber etwas „Dunkleres“. Lösung: Sauvage Parfum (Elixir). Ergebnis: Es ist fast ein neuer Duft (Oriental-Touch), sehr hochkonzentriert.
Troubleshooting
„Der EdP riecht chemisch“ → Überdosierung von Synthetik (Ambroxan/Bergamott) in hoher Konzentration.
„Kein Unterschied zwischen EdT und EDP“ → Bei Marken wie Creed oder Nischen oft echte Unterschiede (andere Basis). Bei Massenmarken oft geringer.
Fazit & Ausblick
Die Unterscheidung zwischen EDT und EDP ist oft ein Marketing-Trick („Preisdifferenzierung“), weniger ein Qualitätsmerkmal. Ein EDP ist meist nur eine konzentriertere, langsamere Version des EDT. Dennoch lohnt es für Fans, den EDP (oder Extrait) zu wählen, da er Tiefe und Haltbarkeit bietet, die der EDT nicht liefern kann. Wichtig: Haltbarkeit ersetzt nicht Qualität.
FAQ
Ist EDP besser als EDT?
Qualitativ nicht automatisch. Der EDP ist nur konzentrierter (hält länger). Ein schlechtes Parfüm bleibt auch als EDP schlecht. Ein gutes Parfüm kann auch als EdT brillieren.
Warum ist EDP teurer?
Hauptsächlich Marketing („Premium-Preis“). Auch liegt die Produktion (weniger Alkohol pro ml) oft leicht höher, aber der Preisaufschlag ist meist höher als der Kostenaufwand.
Unterschied zwischen Parfum und EDP?
Parfum (Extrait) hat die höchste Konzentration (30-40%) und ist oft ein eigener Duftcharakter (anders formuliert). EDP (15-20%) ist meist eine stärkere Version des EDT.
Kann man EDT und EDP mischen?
Ja („Layering“). Ein EDP als Basis, ein EDT als „Frische-Bombe“ im Nacken. Vorsicht: Nicht übertreiben (Overdose).