Decodierung von Chargennummern: Produktionstermine, Herkunft und Vintage-Kunde.
Grundlagen & Definition
Ein Batchcode (Chargennummer) ist eine alphanumerische Zeichenfolge, die auf einer Parfümflasche (meist auf dem Boden, dem Verschluss oder der Verpackung) aufgedruckt ist. Sie kennzeichnet die Produktionscharge (Herstellungsbatch). Das Lesen dieser Codes erlaubt es dem Konsumenten, das ungefähre Produktionsdatum zu bestimmen.
Zweck
Verfolgbarkeit (Intern): Der Hersteller kann bei Qualitätsmängeln genau zurückverfolgen, welche Charge betroffen ist.
Alter (Extern): Käufer können einschätzen, ob ein Duft „neu“ (aktuelle Produktion) oder „vintage“ (älter als 5–10 Jahre) ist.
Herkunft: Manche Codes enthalten Informationen über das Abfüllwerk (z.B. A = Frankreich, B = USA).
Hinweis: Es gibt keine universelle „ISO-Norm“ für Parfüm-Codes. Jeder Hersteller nutzt sein eigenes System, oft umgedeutet, um Fälschern die Arbeit zu erschweren.
Warum Batchcodes lesen?
Für Sammler und Käufer ist das Alter eines Duftes entscheidend.
Anwendungsbereiche
Vintage-Verifizierung: Handelt es sich um eine Flasche aus den 80ern oder ein neu produzierter „Retro“-Duft?
Reformulierung-Suche: Fans wissen oft, dass die Produktion vor/nach einem bestimmten Jahr (z.B. 2000, 2010) besser/schlechter roch.
„Freshness“-Check: Bei Düften mit kurzer Haltbarkeit (Zitrus) ist das Herstellungsdatum entscheidend. Ein 3 Jahre alter Zitrus-Duft ist oft „kaputt“.
Creed-Batch-Kultur: Bei Creed sind bestimmte Batches (z.B. A01) besonders begehrt und teurer.
Aufbau & Systeme
Die Codes sind nicht einheitlich. Man unterscheidet grob zwischen „Julianischen Daten“ und „Manufaktur-eigenen Codes“.
Julianisches Datum
System: Eine 3- bis 5-stellige Zahl, die den Tag des Jahres darstellt (z.B. 001 = 1. Januar, 365 = 31. Dezember).
Jahr: Wird oft durch den ersten Buchstaben des Alphabets kodiert (A = 2020, B = 2021… Z = 2045 und weiter).
Vorteil: Leicht lesbar, weltweit verbreitet.
Manufaktur-Codes
System: Willkürliche Zahlen- und Buchstabenkombinationen (z.B. „4K01B“). Der Zusammenhang mit dem Datum ist oft nur über interne Tabellen der Marke lösbar.
Vorteil für Marke: Geheimhaltung. Fälscher können das Datum nicht so leicht kopieren.
Lösung: Online-Datenbanken haben diese Tabellen durch Leaks oder Sammlung von Usern entschlüsselt.
Typische Beispiele (Dior, Chanel, Creed)
Einige Marken nutzen sehr einfache Systeme, andere komplexe.
Chanel (Z/Y-System)
Code: Ein Buchstabe gefolgt von einer 5-stelligen Zahl (z.B. Z96001).
Buchstabe: Z = 2019, A = 2020, B = 2021… (Alphabetisches Laufen).
Zahlen: Der Tag des Jahres (Julianisch).
Beispiel: A12023 = Tag 120 im Jahr 2020.
Dior (6-stellig)
Code: 6 Zeichen, Buchstaben und Zahlen gemischt (z.B. 4L01A).
Lesung: Einheitliches System existiert nicht. Oft gibt der erste Buchstabe das Jahr oder das Werk an. Die genaue Entschlüsselung erfordert Datenbanken.
Creed (A/B-Klassiker)
Code: 3 Zeichen (z.B. A01, A21, B01).
Bekanntester Fall: „A01“ (2010er) gilt bei Aventus als der „Heilige Gral“. B01 (2015) als „Rauchig-Phase“. B21 (2016+) gilt oft als „sauberer“, aber weniger begehrt.
Datenbanken & Tools
Da die Systeme kryptisch sind, verlassen sich Sammler auf Online-Decoder.
Die wichtigsten Ressourcen
CheckFresh.com: Der Klassiker. Datenbank mit Hunderttausenden Codes. Einfache Suche nach Marke + Code.
CheckVintage.com: Für ältere Düfte (vorrangig vor 1990).
Fragrantica / Parfumo: Viele Foren-Threads sind Sammlungen für bestimmte Marken (z.B. Dior, Creed).
Parfum-Tools (Apps): Es gibt Smartphone-Apps, die die Kamera nutzen, um Codes zu scannen und direkt das Datum anzuzeigen.
Grenzen der Interpretation
Ein Batchcode ist kein Qualitätsmerkmal.
Was der Code *nicht* sagt
Gehalt: Ob der Duft „aufgefüllt“ oder verdünnt wurde, sieht man dem Datum nicht an.
Lagerung: Ein neuer Duft (neues Datum) kann falsch gelagert gewesen sein (Hitze in der Drogerie).
Originalität: Fälscher nutzen oft echte Codes oder Codes alter Originalflaschen. Ein Code ist kein Beweis für Echtheit (Gebrauchtesiegel sind wichtiger).
Das Datum ist nur ein Indikator, wann die Flasche die Produktion verließ.
Code auf dem Boden suchen (oft eingraviert oder eingestanzt).
Nachweis unter dem Verschluss (Hut) oder auf der Innenseite des Kartons.
Vorsicht bei Sticker-Nummern: Manchmal handelt es sich um die Barcode-Nummer (EAN), nicht um den Batchcode.
Dekodierung nur über seriöse Datenbanken.
Mini-Case: Aventus-Auktion
Problem: Verkäufer behauptet „A01“. Analyse: Prüfung der Verpackung (Font-Unterschiede) und des Codes. Lösung: Datenbankabgleich. Resultat: Code ist echt, aber keine Garantie für Inhalt (Refill-Risiko).
Troubleshooting
Code nicht lesbar (abgewaschen) → Glücksspiel, Alter schätzen.
Datenbank kennt Code nicht → Neue Verpackungsart oder Fehler bei Eingabe.
Fazit & Ausblick
Batchcodes sind das „Geburtsdatum“ einer Parfümflasche. Sie sind das wichtigste Werkzeug für Vintage-Liebhaber und Sammler, um Alter und Herkunft zu verifizieren. Für den Normalverbraucher sind sie nur bedingt nützlich, da die Qualität (Inhalt) vom Datum unabhängig ist. Ein neues Datum garantiert keinen guten Duft, ebensowenig wie ein altes Datum automatisch Qualität bedeutet.
FAQ
Wo finde ich den Batchcode?
Meistens auf dem Boden des Flakons (eingraviert oder in den Glasboden gebrannt), seltener auf der Rückseite des Flakons, unter dem Verschluss (Hut) oder auf dem Unterteil der Umverpackung. Nicht mit der EAN-Nummer (Strichcode) verwechseln.
Was bedeuten die Buchstaben bei Chanel?
Der erste Buchstabe kodiert das Jahr (Z=2019, A=2020…). Die folgenden 5 Ziffern sind der Julianische Kalender (Tag des Jahres). A12023 = Tag 120 im Jahr 2020.
Sagt der Batchcode etwas über die Qualität aus?
Nein. Er sagt nur, wann die Flasche gefüllt wurde. Ein 2023er Duft kann chemisch identisch mit einem 2010er Duft sein (oder anders, falls reformuliert wurde). Er sagt nichts über Lagerung oder Füllungen aus.