Duftstoffe & Moleküle
Hub-Übersicht: Chemie, Physiologie und Molekül-Eigenschaften.
Die 26 deklarationspflichtigen Stoffe, IFRA-Grenzen und Hautirritation.
Allergene in Parfüms sind chemische Verbindungen, die bei empfindlichen Personen eine immunologische Reaktion auslösen können. Dies unterscheidet sie grundlegend von Reizstoffen (Irritantien), die durch rein chemische Gewebschädigung zu Hautrötungen führen, ohne das Immunsystem zu involvieren.
Im Gegensatz zu Nahrungsmittelallergen tritt bei Parfüm-Allergenen selten eine systemische Reaktion (anaphylaktischer Schock) auf; es ist eine reine Hautreaktion (Kontaktdermatitis).
Die Europäische Union (EU) hat eine Liste von 26 spezifischen Duftstoffen veröffentlicht, die in Konzentrationen über 0,001% (Leave-on) oder 0,01% (Rinse-off) im Endprodukt auf der Verpackung namentlich genannt werden müssen. Diese Liste ist nicht statisch, sondern wird aktualisiert.
Wichtig zu wissen: Diese Stoffe sind nicht „verboten“. Sie sind extrem nützlich in der Parfümerie. Die Deklarationspflicht dient dem Verbraucherschutz (Allergiker können vermeiden, was sie nicht vertragen).
Für den Laien riechen beide gleich unangenehm, aber der medizinische Mechanismus ist unterschiedlich.
Viele Stoffe sind beides (z.B. Cinnamal): Sie reizen die Haut (scharfer Geruch, Brennen) und sind starke Sensibilisierer.
Eine Sonderform der Toxizität ist die Phototoxizität (Lichtempfindlichkeit). Der Stoff selbst ist harmlos, entwickelt aber erst unter UV-Einfluss (Sonnenstrahlung) toxische Eigenschaften.
Da dies ein hohes Gesundheitsrisiko darstellt, hat die IFRA Grenzwerte für Bergapten in Kosmetika strikt festgelegt. Parfümierer nutzen heute meist „Bergapten-reduziertes“ Bergamotteöl (FCF – Furocumarin Free), das phototoxisch unbedenklich ist.
Die IFRA (International Fragrance Association) reguliert die Konzentration von bedenklichen Stoffen in 11 Produktkategorien (Cat. 1 bis 11).
Ein Stoff kann in einem Raumspray in 30% Konzentration erlaubt sein, ist aber im Eau de Toilette auf 1% begrenzt. Daher ist „Konformität“ immer kontextabhängig.
Die Kennzeichnungspflicht auf der Verpackung ist EU-weit standardisiert.
Für den Verbraucher ist diese Liste der einzige Weg, auf einen Blick zu sehen, ob er die kritischen Stoffe enthält.
Ein häufiges Missverständnis ist, dass „Natur“ sicherer sei als „Chemie“.
Die IFRA-Grenzwerte gelten für synthetische und natürliche Stoffe gleichermaßen. Ein natürliches Öl, das viel Limonen enthält, ist genauso deklarationspflichtig wie synthetisches Limonen.
Hub-Übersicht: Chemie, Physiologie und Molekül-Eigenschaften.
Der moderne Amber-Standard: Struktur, Wirkung und Anwendung.
Hölziger Diffusor: Chemische Eigenschaften und Volumen-Effekt.
Jasmin-Analogon: Das meistgenutzte Molekül in der Parfümerie.
Musk-Wood-Hybrid: Substantivität und weicher Charakter.
Makrozyklen vs. Nitro-Moschus: Geschichte und Sicherheit.
Problem: Neuer Duft verursacht bei Tests leichte Rötungen bei 2% der Probanden. Lösung: Austausch von Lyral (starkes Allergen) gegen ein milderes Jasmin-Akzer. Ergebnis: IFRA-konform, verträglichere Rezeptur.
Die Regulierung von Allergenen und Reizstoffen ist ein Balanceakt zwischen Sicherheit und kreativer Freiheit. Die 26-Liste ist für Allergiker ein wichtiges Werkzeug zur Selbsthilfe. Die IFRA-Standards schützen Verbraucher vor Überdosierung und schädlichen Stoffen.
Für den Laien ist wichtig zu verstehen: Eine Deklaration bedeutet nicht automatisch, dass der Stoff „schlecht“ ist, sondern dass er eine gewisse Potenz hat. Die Parfümerie der Zukunft setzt zunehmend auf hypoallergene Moleküle und aufgereinigte Naturstoffe, um die Zahl der Reaktionen zu minimieren, ohne auf Genuss zu verzichten.
Dies ist eine Marketingkonvention (kein Gesetz), um dem Verbraucher zu zeigen, welche der 26 deklarationspflichtigen Stoffe im Duft besonders hervorstechen sind. Es bedeutet nicht, dass der Stoff entfernt wurde, sondern nur prominent ist.
Weil sie keine Sensibilisierung auslösen oder die Grenzwerte im Markttest sehr niedrig sind. Stoffe wie Iso E Super oder Ambroxan gelten als sehr verträglich und sind nicht auf der Liste.
Nein. Naturstoffe enthalten oft hunderte Verunreinigungen (Pollen, Schimmelpilzsporen), die Allergien auslösen können (z.B. Limonene in Zitrus). Synthetische Moleküle können extrem rein sein, was die Reinheit des Reizes begünstigt. Das Immunsystem unterscheidet nicht zwischen „Natur“ und „Chemie“.